Das "Rainbow Disco Team" - Won't forget these days.

Im
Grunde war es reine Notwehr, die Anfang der 90er Jahre zur Gründung des
"Rainbow Disco Teams" führte. Die Musikauswahl in der Dorfkneipe war
beschränkt, die örtliche 60qm Discofox-Bude ziemlich abschreckend.
Gescheite Partys waren in unserer Gegend auch selten, und wenn, dann
doch eher klein und überschaubar. Gute Clubs waren mindestens 50km
entfernt: Kassel mit der legendären "Salzmanns Factory", oder - zum
Ausgleich - Bielefeld mit dem "PC-69". Was lag also näher, als selber
eine Party zu veranstalten, "so'n richtig hysterisches Fest"?
Tatsächlich waren wir 1993 so wahnsinnig (anders kann man es rückblickend kaum beschreiben ,) und haben es einfach gewagt.

Völlig
neu in im Geschäft waren wir nicht, Musik auf kleinen Feten hatten wir
immer schon gemacht. Nun brauchten wir allerdings eine Halle, es sollte
ja schließlich eine amtliche Party und kein Kindergeburtstag werden.
Also auf zur Stadtverwaltung:
"Wie, die ganze Halle? Da
soll eine Disco rein? Für einen Tag?" - "Ja, sowas in der Art" - "Wer
sind sie denn überhaupt?" - "Schäfers mein Name, ich wohne schräg
gegenüber." - "Mmh, mmh, kostet 1500 Mark, Strom extra ..." - "Ja, is
ok. Wo muss ich unterschreiben?" - "Meinen sie das ernst?" - "Ja,
natürlich!" - "Ich muss aber erstmal schauen, ob das überhaupt
geht .."
Es ging, auch wenn der zuständige
Ortsvorsteher nicht ahnte, was ihm bevorstehen würde. Wir allerdings
auch nicht. Denn einfach so darf man keine Disco veranstalten, man
braucht schon einen "besonderen Anlaß", wie uns das Ordnungsamt
erkärte. Nun denn, wir beschlossen eine Nachwuchsband spielen zu
lassen. Für Konzerte bekam man eine Genehmigung, anschliessend konnte
man Disco machen.
Als
nächstes stand die Licht- und Tontechnik auf dem Plan. Völlig
unbescheiden wollten wir einfach eine Installation, wie es sie in der
Region damals noch nicht gegeben hatte. Glücklicherweise fanden wir
ganz in der Nähe einen professionellen Showtechnik-Verleih (Kramer
& Fasig), der unsere Idee amüsant fand (
"Ihr seid völlig bekloppt, aber warum eigentlich nicht?") und uns einen unverschämt günstigen Preis machte.
Der
Verleih hatte gerade neue Technik bekommen, die man Kunden aus dem
Discothekenbereich in Form einer "Hausmesse" vorstellen wollte. So
kamen wir zu einer hoffnunglos überdimensionierten PA-Anlage, knapp
über 100 Scheinwerfern, dazu per Computer gesteuerte Scanner (die
waren damals gerade neu am Markt) und eine recht amtliche Pyroshow, die
später auf der Party die anwesende Mitglieder der örtlichen
freiwilligen Feuerwehr an den Rand einer Panik brachte.
Letzteres
übrigens völlig ohne Grund, schliesslich hatten wir echte Profis
angeheuert, die sonst für Stars wie Heinz Rudolf Kunze und Herbert
Grönemeyer arbeiteten.

Irgendwann
hatten wir unsere Veranstaltung und alle nötigen Genehmigungen
zusammen. Allerdings hatten wir auch ein Problem: Der Spaß würde
uns auf jeden Fall gut 12.000 DM kosten. Zurück konnten wir nicht
mehr, wir waren zum Erfolg verdammt. Und das mit einem Konzept, das in
der Region damals noch völlig neu war.
Und, was eigentlich
niemand ernsthaft erwartet hatte: Es funktionierte! Zur Party
kamen knapp 2500 Menschen, die Halle platzte aus allen Nähten, im
angrenzenden Ort gab es durch die wild parkenden Autos ein respektables
Verkehrchaos. Die Party war ein voller Erfolg, auch wenn an der Theke
leider einige tausend Mark "verschwanden".
Unter dem Strich
blieb trotzdem eine tiefschwarze Null, letztendlich waren wir mehr als
zufrieden. Die Show war genial (auch dank der Profis vom Verleih, die
eine super Licht-/Effektshow bauten), die Leute hatten ihren Spaß,
Klassenziel erreicht und sogar weit übertroffen.

In
den folgenden Tagen und Wochen erreichten uns mehrere dutzend Anfragen
von Vereinen und Wirten, plötzlich wollte jeder eine "Disco-Party"
veranstalten,
"allerdings in etwas kleinerem Rahmen, so technisch, verstehen sie?": Das "Rainbow Disco Team" war geboren.
Der
Name stammt übrigens aus dem Katalog, von einem typischen
"italienischen" Discoeffekt aus den 80ern. Schrecklich bunt, das Teil.
Eigentlich war mir der Name auch recht egal, aber die Veranstalter
wollten halt irgendwas auf ihre Plakate drucken ...
Leider
gibt es nicht sonderlich viel Bildmaterial aus dieser Zeit. Ein wenig
konnte ich aber noch zusammentragen. Unter den folgenden Links gibt es
ein paar Bilder:
Partys in Ossendorf. Der Ort, wo alles begann.
Open Air in Daseburg, jedes Jahr eine tolle Party, evtl. etwas staubig ,)
Rhoden: 2000 feiernde Menschen in einer genialen Fachwerkhalle. Heftig.
Sonstige Bilder (im Aufbau)
1996 verliess ich schweren Herzens das "Rainbow Disco Team". Wir hatten
eine regelrechte Welle von Partys ausgelöst, die schliesslich zu einer
hoffnugslosen Übersättigung führte. 1995/96 konkurrierten regelmäßig 3
Veranstaltungen/Abend im Umkreis von 30km um Gäste. Es kam, wie es
kommen musste: Das Niveau der Partys sank, die Preise wurden immer
unverschämter, die Stimmung auf den Partys allgemein aggressiver.
Letztendlich waren es kaum noch mehr als Schützenfeste ohne Volksmusik.
Das wollte ich nicht. Dafür hatten wir zuviel Arbeit in unsere Sets und
Konzepte gesteckt.

Zudem stand auch mein Studium an (Zwischenzeitlich hatte ich eine Ausbildung zum Vermessungstechniker abgeschlossen.
"In Teilzeit, weil er im Hauptberuf DJ und Konzertveranstalter ist",
wie mein Ausbilder sich hin und wieder beschwerte). Ich wollte und
konnte einfach nicht mehr 4 Tage in der Woche "Partys machen". Eine
Zeit lang arbeitete ich noch in verschiedenen Clubs und Discotheken als
DJ, aber auch das wurde mir irgendwann zuviel (Nach 6 oder 8 Stunden
Disco 100km und mehr mit dem Auto nach Hause zu fahren ist
ziemlich stressig ..). Wie auch immer, es war fraglos eine verdammt
geniale Zeit damals.
Thomas "Paul" Pielok (ganz oben links,
auf ein Bühnendach kletternd) veranstaltet übrigens immer noch ziemlich
wilde Partys. Anfang des Jahres 2003 wurde sein 10-jähriges Jubiläum
(Glückwunsch!) sogar in der Lokalpresse gefeiert. Leider ist der Scan
des Artikels einem Festplattencrash zum Opfer gefallen. Mal schauen, ob
ich ihn noch irgendwo finden kann.